Der Scirocco ist tot. Lang lebe der Scirocco!

Schluss, aus und vorbei: Der VW Scirocco wird seit Kurzem nicht mehr gebaut. Mal wieder, schließlich handelt es sich um die dritte und für den Autor die prägnanteste Baureihe. Einfach deshalb, weil die zugehörige Studie mitten in dessen jugendliche Phantasien über das erste eigene Auto reinplatzte: Giftgrün, mit einem trapezförmigen Kühlergrill und zu Schlitzen verengten Scheinwerfern stand das VW Iroc genannte Konzept auf dem Pariser Autosalon – und hat den damals 15-jährigen Jungen in Bonn umgehauen. Die Flanken wölben sich nach innen, die Kotflügel sind wie Muskeln ausgestellt, das Greenhouse verjüngt sich zum Heck – jeder Zentimeter Blech dieser Studie auf Angriff getrimmt. Neben dem Plattformspender Golf kauert der Scirocco wie ein Sportwagen. Wow, dachte sich der junge Autonarr in seinem Kinderzimmer, Volkswagen kann auch anders als spießig!

VW Iroc

Die jugendliche Schwämerei für ein so unvernünftiges und erst recht unbezahlbares Auto verlor sich in dem, was sich Leben nennt. Ein Octavia der ersten Baureihe schob sich zwischen den Fahranfänger und die Jugendliebe. Das, was anfangs mehr ein Zweckbündnis war, reifte zu einer innigen Beziehung, die 2015 ihr Ende fand: Ein Umzug nach Hamburg sollte die Jahresfahrleistung verdoppeln, bei einem 200.000 Kilometer alten Benziner nicht ohne Risiko. Weshalb sich der mittlerweile 24-Jährige an den Traumwagen jüngerer Tage erinnerte, an die aggressiven Scheinwerfer, den zusammengepressten Kühlergrill und die muskulöse Flanke – und schließlich wusste: Es wird kein VW Golf, kein Seat Leon, kein Seat Exeo, die Favoriten zu diesem Zeitpunkt. Nein, es wird keine Entscheidung der Vernunft, sondern die mit einem Hauch von Extravaganz, die sich meist nur junge oder – nun ja – eben nicht mehr ganz so junge Männer leisten können.

VW Scirocco 3

Schließlich klafft unter dem etwas pummelig geratenen Heck zwar ein tiefer Kofferraum, der aber auch nur gerade so für den Alltag oder die Urlaubsreise von zwei Leuten ausreicht. Der Einstieg in die zweite Reihe ist ebenso umständlich wie die Rundumsicht beschränkt ist. Und so schnell wie er aussieht, ist der Scirocco auch nicht. Aber weil er im Herzen ein Volkswagen ist, gibt es ihn auch mit Dieselmotoren – genau das richtige für 25.000 Kilometer und mehr pro Jahr. Mit dem 170 PS starken Diesel rollt sein Besitzer seit mehr als 50.000 Kilometern souverän auf der Autobahn mit, stellt dabei immer wieder süffisant fest, dass die Portugiesen offenbar keine knarzfreien Türverkleidungen bauen können, und freut sich über jede kurvige Landstraße. Nach denen giert das Sportcoupé mit seiner knackigen Straßenlage und der direkten Lenkung zu jeder Zeit, ohne dabei nervig nervös zu sein. Und spätestens wenn sich die 350 Newtonmeter Drehmoment blitzschnell aufschichten, sodass der Volks-Sportler satt am Gas hängt, ist zumindest seinem Fahrer klar: Nein, Schluss ist für ihn und meinen Scirocco noch lange nicht.

VW Scirocco 3

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