Wie ein Golf mich das Fahren lehrte!

23.58 Uhr am 25. April 2009 … ich sitze im Auto, zähle die Sekunden herunter. Um mich herum ist es dunkel. Tiefste Nacht. 23.59 Uhr. Noch eine Minute und ich darf den Autoschlüssel mit dem blau-weißen VW-Zeichen ins Schloss führen, den Motor anlassen und losfahren. Es ist der Vorabend zu meinem Geburtstag, genau genommen, zu meinem 18. Geburtstag, und die mit ihm verbundene Erlaubnis, endlich allein Auto fahren zu dürfen. Nur eineinhalb Jahre zuvor hatte ich mich aufgeregt für den Führerschein angemeldet und noch lange vor meinem 17. Geburtstag bereits alle Prüfungen absolviert – erfolgreich, natürlich. Der rosa Lappen war der Lohn für die Mühen, mit dem ich sogar schon vor meinem 18. Geburtstag Auto fahren durfte, wenn auch nur mit einer der eingetragenen Begleitpersonen. Nun, ein Jahr später, sitze ich hier also und warte darauf, dass die Uhr im Drehzahlmesser auf Null umspringt.

VW Golf 3 Cabrio

Ich brauchte gar nicht groß zu bitten: Natürlich – so mein Vater – dürfe ich sein geliebtes VW Golf Cabrio für meine Jungfernfahrt ausleihen. Wobei mir das Verdeck gar nicht recht nützt. Obwohl Ende April, ist es regnerisch und obendrein auch noch ganz schön kalt. Doch angesichts der Aufregung, der Freude und der bald neu gewonnenen Freiheit, wird das Wetter zur Nebensächlichkeit.

Endlich! 0 Uhr, 26. April 2009. Die Ziffern im Tacho zeigen es an. Mein Geburtstag ist da, ich bin offiziell 18. Also Schlüssel rein und Motor gestartet. Und schon wenige Meter nach dem Start merke ich, dass sich meine Aufregung wieder legt und dass sich meine erste Alleinfahrt eigentlich genauso anfühlt, wie die letzte Fahrt kurz zuvor am Nachmittag mit meinen Eltern. Unsicheres Schalten, Nervosität oder gar Angst? Das alles ist für mich nach einem Jahr begleiteten Fahrens kein Thema mehr. Weshalb meine Gedanken mit der Auffahrt auf die Bundesstraße in Richtung Süden und Rheinland-Pfalz sogar an die Anfänge meines Fahrens abdriften können.

VW Golf 3 Cabrio

Mit der Jungfernfahrt heute Nacht schließt sich gewissermaßen ein Kreis: Nicht nur, weil es der Moment ist, dem ich seit Jahren entgegenfiebere. Sondern auch, weil wirklich alle meine ersten Erfahrungen am Steuer eines Autos mit dem VW Golf Cabrio meines Vaters verknüpft sind. 1998 kam das „Erdbeerkörbchen“ zu uns und in den Sommern danach haben mein Vater und ich zahlreiche Spazierfahrten unternommen, Verdeck und Fenster heruntergelassen, unsere Lieblingsmusik eingeschmissen und das gute Wetter genossen. Und bei den Fahrten durfte ich vom Beifahrersitz aus immer mal wieder den neuen Gang einlegen. Mein Vater, der die Kupplung drückte, sein Sohn, der den Schalthebel bewegte. Nur wenige Jahre später, da muss ich 12 oder 13 Jahre alt gewesen sein, durfte ich sogar das allererste Mal selbst ans Steuer. Wie das Väter mit ihren Söhnen eben so machen: in einer unbefahrenen Nebenstraße, ohne Leute oder geparkte Autos und dafür mit einer großen Auslaufzone.

VW Golf 3 Cabrio

War das aufregend, erinnere ich mich, während ich mit 80 auf der Bundesstraße vor mich hinrolle. Links von mir reflektiert der Rhein die Lichter der Häuser, alles andere wird vom Dunkel der Nacht verschluckt. Die Scheinwerfer leuchten die Straße vor mir aus. Ausgestorben ist sie. Kein Verkehr – außer mir. Meine Gedanken wandern also weiter, zu meinem 16. Geburtstag. Zu dem hatte mir mein Vater einen Tag auf einem Verkehrsübungsplatz geschenkt. Einen ganzen Tag lang habe ich mit dem Golf Cabrio das Anfahren, das Einparken und das Wenden in drei Zügen geübt und hatte dabei einen Heiden Spaß. Doch das, was mir damals fehlt, kann ich jetzt erstmalig erleben: das Auto ganz alleine zu fahren. Dass mich meine allererste Fahrt nur zum nächsten Fastfood-Restaurant und fettigen Fritten führt, ist dabei völlig unerheblich. In diesem Moment zählt nur, dass ich es endlich darf.

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