Lancia Delta HF Integrale

Mitfahrt im Lancia HF Integrale

Es geht Schlag auf Schlag. Nach kurzer Aufwärmphase – endlich steht die Ölanzeige der Zusatzinstrumente rechts neben dem Tacho auf „warm“ – gibt Andreas seinem 1988er Lancia Delta HF Integrale die Sporen. Der Turbo pfeift, der Motor dreht und die vier Räder krallen sich nur so in den Asphalt. Der kantige Italiener macht einen Satz nach vorne und schmeißt sich in die nächste Kurve. Als müsste er seine glorreiche Vergangenheit noch immer unter Beweis stellen. Als wäre er auf der Rallyepiste und nicht auf einer norddeutschen Landstraße. Als wäre jede Ausfahrt ein Rennen und eben nicht das, was sie ist: eine Spazierfahrt durch Schleswig Holstein.

Lancia Delta HF Integrale

Der Delta HF Integrale liegt dank des nachträglich eingebauten und eigens für den Wagen angefertigen Sportfahrwerks noch flacher auf der Straße und verzieht selbst im Scheitelpunkt der schärfsten Kurven keine Miene. Wankbewegungen? Für ihn ein Fremdwort. Setzen andere italienische Klassiker gerne mal auf V6-Motoren, bollert unter seiner nach vorne klappenden Haube ein zwei Liter großer Vierzylinder. Nur vier Töpfe? Nase rümpfen erlaubt das Aggregat nicht. Vielmehr vertreibt es kritische Gedanken mit jedem Gasstoß, jubelt in die hohen Tausender des Drehzahlbereichs und macht ordentlich Rabatz! Garrett-Turbo sei Dank, der den aus dem Fiat-Regal bekannten Zweiliter mit bis zu 1,0 bar Ladedruck auf 185 PS und 310 Newtonmeter Drehmoment treibt.

Lancia Delta HF Integrale

So kompromisslos der Lancia Delta HF Integrale dank seines Allradantriebs von Steyr-Daimler-Puch nach vorne schiebt, so nüchtern ist sein Auftritt. Im Gegensatz zu den modernen Autos, spart der Italiener an Designkniffen und besinnt sich auf das Wesentliche. Gerade Linien, wo das Auge hinblickt. Das sogenannte One-Box-Design eben! Wobei der steil aufragende Heckspoiler an der Heckklappe, die kantig ausgestellten Kotflügel und das martialische Martini-Design die Zurückhaltung nicht gerade unterstützen wollen. Die Polizei übrigens auch nicht: „Die Polizisten wollten mir bei einer Routinekontrolle nicht glauben, dass der Spoiler tatsächlich Teil der Serienausstattung ist. Dann meinte ich zu denen: Googelt ihn doch. Bilder zeigen den Spoiler“, erzählt Andreas, während er seinen Lancia in die nächste Kurve zirkelt. Erst die Bilder aus dem Internet überzeugten die Beamten, die ihn dann doch weiterfahren ließen.

Lancia Delta HF Integrale

Zeit, über die Anekdote zu schmunzeln, bleibt mir nicht. Die Fliehkräfte, die der Lancia Delta HF Integrale durch sein hohes Tempo in Kurven erzeugt, schleudern mich von der einen Sitzwange zur anderen. Was eine Kunst ist: Die Sportsitze sind für ihr Alter erstaunlich stramm und umklammeren ihre Passagiere geradezu. Komfort? Ist in diesem Italiener absolut überschaubar, obwohl er im Gegensatz zum Rallyeauto auf Schalensitze, Hosenträgergurte oder aber einen Überrollkäfig verzichtet. Trotzdem muss man sich auch vor Augen führen, dass es sich hier trotz alltagstauglichen Anstriches um einen verkappten Sportwagen handelt, der gut ein Jahrzehnt in der Gruppe A das Rallye-Geschehen dominierte. Laut, ungefiltert und rasant gibt sich die Rallye-Ikone – und gibt mit dem Ausflug eine kleine, aber nicht minder beeindruckende Geschmacksprobe, wie sie seinerzeit zu den sechs WM-Titeln kam!

Lancia Delta HF Integrale

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