VW Passat 32B zum Saisonstart 2017

Das retardierende Moment

Was war das für ein Reinfall! Nahm ich doch extra einen Tag frei und verlängerte das Wochenende, um nach Bonn und zu meinem VW Passat 32B von 1987 zu fahren. Das Ziel war klar: ihn aus dem anderthalbjährigen Winterschlaf wecken. Doch anstatt an der Ölablassschraube zu drehen, rotierte vielmehr mein Magen – und der Passat blieb stehen.

VW Passat 32B in der Scheune

Was sich für mich stark nach der Dramatik einer griechischen Tragödie anfühlte – ähnlich steil ansteigend wie die Drehmomentkurve eines Lkw-Diesels. Nicht nur, dass der altgediente Variant seit Herbst 2015 unter seiner Schutzplane viel zu lange schon auf den nächsten Einsatz wartet. Nein, im Mai soll er doch auch endlich zu mir nach Hamburg ziehen – wofür er ja erstmal anspringen und durch die Hauptuntersuchung muss. Aber schon mit dem ersten Aprilwochenende und damit den ersten Wochenende nach der Krankheit fand die Tragödie ihr zumindest vorläufig gutes Ende. Sofern das retardierende, weil dramatisch hinauszögernde Moment nicht der Hauptuntersuchung überlassen ist – doch bin ich da durchaus guter Hoffnung. Zum einen sprang mein VW Passat 32B nicht nur bemerkenswert problemlos an – ein, zwei Mal hustete er kurz und drehte dann los, als habe er nie etwas anderes gemacht. Zum anderen aber nahm er auch prompt die ersten hundert Kilometer der Saison 2017 unter die Räder.

VW Passat 32B in der Saison 2017

Und auf jenen Kilometern merkte ich erst mal wieder, wie sehr ich meinen VW Passat 32B in den vergangenen anderthalb Jahren doch vermisst habe. Allein der Eigengeruch, der mich in die in diesem Zusammenhang schon öfters erwähnte Kindheit zurückversetzt. Da sind aber auch die großen Scheiben, die viel Licht in den Innenraum lassen – fast schon wie in einem dieser Alpen-Panoramazüge – und die Umwelt wieder ungewohnt naherücken. Das gleiche gilt für den im Vergleich zu modernen Autos doch so deutlich wahrnehmbaren Motor im Bug. Mit seinen 115 PS beschleunigt der Fünfzylinder den knapp über eine Tonne schweren Passat mit Leichtigkeit. Die Schaltung verlangt dabei eine gute Führung, das nicht ganz sauber zurückschwingende Kupplungspedal zudem einen flinken Fuß, der es wieder nach vorne zieht. Radio? Aus! Die zuvor abgeklemmte Batterie versetzte es in eine Schockstarre, die sich nur durch eine in Vergessenheit geratene PIN beenden lässt.

VW Passat 32B in der Saison 2017

Doch die Abwesenheit von Displays und Parkpipsern, die Reduzierung auf das Wesentliche und die typische Behäbigkeit eines alten Autos erzeugen eine Gelassenheit, die sich ganz und gar auf mich überträgt: Vorfreude, aber auch Nervosität, ob es nicht vielleicht doch Probleme geben könnte, wichen einem zufriedenen Grinsen, das sich weder beim Fahren noch beim Foto-Stop an meiner Lieblingsfotokulisse am Rhein ausknipsen ließ.

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